Eine ruhige, ganz ruhige Vorbesprechung … fast kein Dialog

11. Dezember 2010


Als Autor_innen dieses Blogs hatten dermicel und ich beschlossen mehr oder weniger uns im Dialog über Bands auseinanderzu setzen. Mit You Say Party! hatten wir das bereits versucht und vielleicht nicht ganz so richtig hinbekommen. Unser zweiter Versuch war die Vorbereitung auf ein Lambchop-Konzert, eine Band, deren Namen man schonmal gehört und deren Sänger man im blättern durch diverse Musikmagazine schon gesehen hat. Wie das ganz oft mit den guten Bands ist, erscheinen sie oberflächlich betrachtet nichtssagend. Aber kratzt man an dieser Oberfläche, erscheint eine komplett andere Welt, die … woah! … einfach verzaubert.
Im Dialog mit „dermicel“ stellte ich ihm die Band so vor (ACHTUNG: nicht merkern, dass alles klein geschrieben ist!!!):
„liebster *dermicel*,
nun aber zur lambchop-offensive. im prinzip steht im epizentrum der band, die hin und wieder aus 18 leuten besteht, der einstige parkettleger kurt wagner. deswegen sprechen viele leute, wenn sie von der band lambchop reden auch in der einzahl und sagen sowas wie „er ist wirklich großartig“ oder „ich mag schon seine musik, aber so richtig hab ich mich damit noch nicht beschäftigt“. konsens ist aber bei allen befragten, dass sie die musik als ruhig empfingen oder wie uns wikipedia sagt „ruhige eleganz“ sich dahinter verbirgt. es ist der musikalische sonntagmorgen, der sich bei lambchop offenbart oder das tiefe sich in die augenschauen und darin baden. es ist der morgen, an dem man zur arbeit geht, die sonne scheint und die vögel zwitschern und ein hauch von glück durch die straßen weht. mit „is a woman“ gibt die band nicht nur im video das „back to the nature“ gefühl…

aber es ist das back to the nature-gefühl, bei dem man nicht die stadt verlässt. man stellt sich bei den klängen vor, durch den park zu rennen um einen hauch freiheit zu spüren. ich hab wirklich aus irgendeinem unerklärlichen grund das bild von woody allen im kopf, wie er durch new york läuft, vielleicht weil auch teilweise so merkwürdige geschichten erzählt werden, und gleichzeitig ist es doch die musik, die man am liebsten hört, wenn man im sommer bei sonnenschein über land fährt oder im ärgsten sommerregenguss mit freunden auf der straße tanzt (übrigens in diesem sommer wirklich passiert, vorsätzlich wartend bis der regen die richtige geschwindigkeit hatte, um alle sorgen, nöte und ängste weg zu spülen). es ist der soundtrack zum erwachsenwerden, wenn man doch noch kind in der seele ist. zumindest klingt dieses lied so…

das mit dem erwachsenwerden ist schließlich nie zu vermeiden und außerdem ist der herr wagner auch schon ziemlich weit aus seinen kinderschuhen herausgewachsen, schließlich macht er seit den 1980ern musik und das will was heißen. zumindest heißt es, dass es hier und da nach den 80ern klingt und man auf youtube-referenzen wie mazzy star im frame findet, die ähnlich melancholische musik zu dieser zeit machten. listen ist beispielsweise so ein song, der gerade zu der dicken schneedecken passt, die gerade die komplette stadt bedecken. es ist die musik, die in den ohren klingt, wenn man langsam und vorsichtig über den schneebedecken gehsteig läuft und kaum etwas zu hören ist, außer dem knirschenden schnee unter den füßen. die straßenlaternen leuchten dann irgendwie orange und wenn man sich von einem laternenpfahl entfernt ist es fast so als würde die sonne untergehen und einen meter weiter geht sie dann wieder erneut auf…ach, der winter kann ja sooo toll sein. und die musikalische melancholie gehört dann eben mit dazu… “

Tja, liebe Leser_innen, was glaubt ihr, war die Reaktion von „dermicel“ auf diesen netten ausführlichen Text? – „Großartige assoziative Beschreibungen! (…) Ich kann dir 100ig folgen. Das Problem ist nur, dass man für diese Musik besser die Uhr anhält. Ich bin so reizüberflutet, dass ich kaum noch dazu komme, mir ein Buch vorzunehmen oder mir ein ruhiges Album anzuhören, weil das nicht heftig genung knallt! Ist wirklich so und auch wissenschaftlich bewiesen.. Ist ganz genau so wie mit Drogen! Fakt ist, dass DIE BAND großartig ist und und viel mehr zum wahren Leben passt, als so Vieles, was wir ihr aus Dummheit vorziehen.. Du weißt jetzt etwa auf was meine Argumentation hinausläuft.. “

Hach, lieber „dermicel“ unsere musikalische Wahrnehmung ist irgendwie ähnlich. Und weißt du was? – Manchmal ist das Zeit-anhalten mit all den ruhigen Dingen, mit denen man das auch verbinden kann, einfach das was uns fehlt und auch das, was uns zu wahren Menschen macht, die eben nicht die ganze Zeit durchs Leben hetzen, sondern auch mal kurz stehen bleiben und schauen, wo sie eigentlich stehen.
(Konzertbericht folgt …)

Advertisements

5 Antworten to “Eine ruhige, ganz ruhige Vorbesprechung … fast kein Dialog”

  1. Uwe said

    schöner Dialog!
    Wo ist er denn, der Konzertbericht?

  2. bettinablume said

    nee nee ich muss das zurück nehmen, den konzertberichts gibts ja auf dem angegebenen link … ich schussel muss das übersehen haben 😉 hier nochmal um auf nummer sicher zu gehen https://textton.wordpress.com/2010/12/12/und-dann-kommt-der-punkt-an-dem-die-zeit-stehen-bleibt/

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: