Wenn’s interessant wird, mal büdde nich kneifen, Madame!!!

19. April 2010


Die Shout Out Louds waren mir wirklich eine Lehre und die Recherche zu Prot O’Brien zeigte mir, dass man innerhalb von zwei Stunden konzentrierter Arbeit dann doch einige Fragen findet, die interessant sein könnten. Ihr sagt jetzt sicher: Is klar, die Frau Blume kennt die Band nicht und deswegen wird sie bestimmt eine Salve an merkwürdigen Standartfragen stellen à la Entstehung zur Band, Idee zum Bandnamen und Veröffnetlichungstermin der nächsten Platte – Aber HALT! Hier muss ich dann ja doch intervenieren. Niemals würde ich nach dem Bandnamen fragen … Das hab ich einmal gemacht. Ich schwörs, nur einmal! Das war 2004! Damals hab ich die Berliner Band „Poems for Laila“ nicht unbedingt gefragt, wie sie auf den komischen Namen kommen, sondern lediglich wer „Laila“ ist (schon schlimm genug, ich weiss). Auf diese Frage bekam ich verdienterweise eine Fakeantwort, die sie sich irgendwann mal sicher in alkoholschwangerer Atmosphäre ausgedacht haben. Deswegen gibt es die eiserne Regel, die bisher noch nicht notiert wurde: „Man sollte eine Band niemals nach der Bedeutung und Herkunft ihres Namens fragen!“ – Das ist irrelevant und im Fall von Port O’Brien findet man schnell in der Biografie heraus, dass es sich hierbei um den kleinen Fischerort in Alaska handelt in dem der Van aufgewachsen ist. Allerdings wollte ich auch keine richtig direkten Fragen zur aktuellen Platte stelle, denn die beruht auf den Emotionen, die durch den Tod von Cambrias Bruder erwachten. Es wäre wahnsinnig taktlos diese Seite der Bandgeschichte für ein gutes Interview auszuschlachten (ganz nebenbei würde aus einer solchen Geschichte auch kein gutes Interview). Was könnte ich also fragen? – Ich musste meine Geheimwaffe einsetzen und einfach mal mein Hirn einschalten. Über den Bandleader Van Pierszalowski ist ständig zu lesen, dass er im Sommer als Lachsfischer auf dem Boot seines Vaters unterwegs ist, ca. 20 Stunden am Tag fischt und in den arbeitsfreien Monaten Musik schreibt. Wie krass ist das denn? Und ist das überhaupt wahr? Soll ich das einfach so hinnehmen und glauben? Wie verkraftet man das? Wie hebt man da nicht ab… Wow, da fällt mir ja doch so einiges ein, denn von dieser einen Überlegung komme ich in die nächsten. All meine wunderbaren Fragen notiere ich auch für dieses Gespräch handschriftlich auf einen Schmierzettel. Irgendwie hat das Stil … für mich zumindest. Ich hab echt keine Ahnung, wie die jeweiligen Künstler das finden, dass die Madame, die ihnen grad gegenüber sitzt von einem handgeschriebenen Zettel die Stichpunkte abliest, aber irgendwie fühl ich mich damit besser. Hey, wir sind hier ja nicht beim Referat in der Schule oder in der Uni. Das ist ein lockeres Gespräch, bei dem „zufälligerweise“ ein Aufnahmegerät mitläuft. Nicht mehr und nicht weniger. Also kann ich auch mit der Hand meine Fragen aufschreiben, drin rumkritzeln und hier und da ein Bildchen malen, oder?
Ich zittere ein wenig kurz bevor ich ins Auto steige, um zum Treffpunkt zu fahren. „Wenn ich dieses Interview gefühlsmäßig wieder versaue, hör ich auf! Dann wird das mein allerallerallerletztes Interview sein!“ Hämmerte es gegen meine Schädeldecke. Es konnte, sollte und durfte nicht wie bei Sven Regner laufen und schon gar nicht wie bei den Shout Out Louds. Mein Erfolgsdruck mir selbst gegenüber war riesig. Am besten weglaufen … so tun, als hätt ich nie nach einem Interview gefragt. Oder der Ort hätte ja falsch sein können. Statt in einem kleinen Club hätte die Band doch auch in irgendeiner Stadthalle spielen können und ich hätt das nun mal eben verwechselt, denn soviele Interviews wie ich sie führe… All die Ausreden schienen plausibel zu sein, doch hab ich schon erwähnt, dass ich in genau diesem Moment auf dem Weg zum Auto war? – Ok, ich konnte mit dem Auto vielleicht irgendwohinfahren. Meine Ausrede hätte dann sein können, dass das Aufnahmegerät gesponnen habe. – Nein, Bettina! Du drückst jetzt mal schön aufs Gas und fährst zum Club, sonst bist de wieder zu spät und das wären erneut keine guten Karten für ein entspanntes interessantes Gespräch.
Puh, und pünktlich, auf die Minute genau stand ich auf der Türschwelle. Ich bin ein Held! Ich bin heute mein Held des Tages! ( … ähm, fürs Pünktlich sein? Oh, ich neige schon wieder zu Übertreibungen – Aber immerhin war das schonmal ein gutes Ohmen.) Also rinn in die gute Stube. Weil mir da niemand freudig entgegensprang, musste das wohl der falsche Eingang sein. Wie durch ein Wunder verzweifelte ich nicht nein, ich war bestens vorbereitet, zückte die Nummer vom Tourmanager, der mich wenige Augenblicke später empfing, mir einen Schluck Wasser gab, mich bat Platz zu nehmen und sich entschuldigte, dass ich noch einen kleinen Augenblick warten müsste. Ja, genau so. So, musste es laufen, um ein gutes Interview zu haben. So fühl ich mich wohl. So und nicht anders! – Aber was ist, wenn ich mich doch wieder in Grund und Boden schämen würde und diese guten Vorzeichen eigentlich keine guten waren, sondern nur Hokuspokus?- Noch während ich diesen Satz dachte, ging die Tür auf und ein netter sehr sehr charmanter Van Pierszalowski kam auf mich zu mit den Worten: „Do I know you? You look familiar to me.“ Besser kann es doch gar nicht laufen! Wow, ich bin beeindruckt und glaube mein Mund steht offen. Danke lieber innerer Schweinehund, dass du dich verzogen hast und mich nicht gehindert hast zum Gespräch zu gelangen. Das war mit Abstand die coolste Begrüßung zu einem Interview mit einem Menschen, den ich noch nie zuvor in meinem Leben vis-à-vis gesehen habe!

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