Schreien? – Ja, schreien, Haare raufen und doch nix in der Hand haben… Pt.2

16. April 2010


Also nach dem höflichem Shaking-Hands und dem damenhaften Knicks vor den Herren einfach nur schön hinsetzen, durchatmen und nett lächeln. – Auweia, was mach ich hier eigentlich? – Ich fühl mich komplett fehl am Platz und bin so unentspannt wie selten zuvor. Es ist fast wie damals, kurz vor dem ersten Kuss. Hm, wie geht das nun, trau ich mich, trau ich mich nicht? – Die Eisbrecherfrage muss her! Die ist mir noch so mal eben zwischen Tür und Angel eingefallen und könnte die Anspannung ein Stück weit lösen. Dafür hab ich auf nichts geringeres zurückgegriffen als auf die große kulturelle Frage: Bayern vs. Preußen – Wer ist besser?

Dass Ted, der Bassist der Shout Out Louds, mit soviel Diplomatie antwortet, hätte ich nicht gedacht und dann kommt er, der blöde Augenblick, der aus einem eher scherzhaften Sidekick ein Disaster macht. Nun wird gaaanz offensichtlich deutlich, dass meine Recherchen eher unsauber abliefen und ich vielmehr mit Chatten zu tun hatte als mit der Infosuche…

Wo war doch gleich das kleine Mausloch, in das ich kriechen könnte? Also an dieser Stelle rot anlaufen, so tun, als ob alles i.O. ist und schnell zur ersten richtigen Fragen übergehen. Wie war die doch gleich … ach ja, im Prinzip könnte man das auch auf der Website und den unzähligen Biografien, die durchs Netz schwirren nachlesen. Oder man hätte diese Info einfach im nächsten Denkschritt, also nach dem man eine der unzähligen Bios gelesen hat, schlussfolgern. Machen die fünf wirklich noch was anderes außer Musik? – Diese Frage ist fast so als ob man einen Fischer fragt, ob er in der Freizeit nicht nach salzigen Meer und Fischen riecht oder einen Metzger, ob er gern Wurst ißt. Aber die Band besteht ja aus vier ehemaligen Designstudenten und einer Frau, die einst Kunst studierte, so abwegig ist die Frage dann auch wieder nicht. Andererseits ist Musik-Machen mehr als ein Full-Time-Job – es ist ne Lebenseinstellung. Außerdem ist die Band wahnsinnig am Entstehungsprozeß der Platte interessiert wie Adam zunächst zeigt.

Puh, das war nun also erstmal die Rettung. Adam und Ted von ihrem Leben, ihrem Alltag erzählen zu lassen ist gut. Das schafft Nähe, Vertrauen und produziert vielleicht auch nebenbei einiges O-Töne, also Originaltöne, die ich dann später im Beitrag verwenden könnte. Ich hatte sie wieder mitten im Gespräch und sicher haben sie an dieser Stelle sowieso vergessen, dass ich das mit einem ihrer Auftritte in Deutschland fast unter den Tisch fallen lassen habe.
Ich musste mich nun nur noch darauf besinnen, dass das was wir hier machen, jeweils „Arbeiten“ ist. Also ich arbeite auf den Beitrag hin und für die beiden Herren ist das Gespräch mit mir die Promotion für die aktuelle Platte und die aktuelle Tour. Apropos Platte, ein gutes Stichwort.

Normalerweise ist die Rangordnung in Bands ganz klar. Der Bandleader oder die Bandleaderin sagt wo es lang geht und ist in der Bandhierachie ganz oben. Also entweder gibt es bei den Shout Out Louds keine Rangfolge, oder sie ist anders gestrickt als man glaubt, denn Ted schnitt Adam ziemlich häuftig das Wort ab. Dass hier an dieser Stelle Adam seinen Satz nicht beendete, ist keine Folge meiner eventuellen miserablen Schnittkunst … aber vielleicht bewerte ich das als Hobbypsychologin auch einfach nur über. Also zurück zum Text. Wo waren wir doch gleich? – Aja, die Unterschiede zwischen den drei Platten, die die Band seit 2002 veröffentlicht hat…

Auch wenn sich die Band immer an ihren roten Faden hält bzw. sie diesen gar nicht verleugnen können, weil er den Kern ihrer Musik ausmacht, sind sie mit dem aktuellen Album „Work“ neue Wege gegangen und wurden professioneller in dem sie einen ganz besonderen Produzenten engagierten. Da Namen für mich normalerweise Schall und Wahn … ähm, nee, das war ein anderes Album und eine andere Band … Schall und Rauch sind, war es ganz klar, dass ich den Namen nicht richtig notieren würde und somit auch nicht richtig aussprechen könnte.

An dieser Stelle glaubte ich mich ganz gut im Interviewrahmen zu bewegen. Doch bumms, die nächste Frage spülte das wieder hinfort. Die Band ist gerade auf ihrem Zenit des Musikmachens und ich fragen nach ihrer Zukunft, erinnere sie daran, dass sie immer näher an das Verfallsdatum kommen. Ich meinte das keineswegs abfällig, aber Musikmachen ist doch kein Job, den du immer machen könntest. Zum Glück haben die Herren Humor und nahmen mir die Frage nicht übel.

Aha, die wollen mich also verarschen? Ok, das gefällt mir, da spiel ich mit.

Aber zum Abschluss gab es dann doch ein paar ehrliche und nachdenkliche Worte von Adam, die mir zeigten, dass hier vor mir doch zwei musikalische Helden saßen, denen es nicht um die musikalische Abzocke der Leute ging, die ihre Musik mögen, die mir zeigen, dass die Musik die sie machen und die Texte, die sie schreiben wirklich von ihnen kommen.

Musiker, die ihre Fans respektieren. Das ist schön, das ist wunderbar, das ist ja doch kein schlimmes und furchtbares Interview, wenn die abschließenden Worte so unglaublich zu Herzen gehen. Da bleibt mir nur noch zu sagen…

Danke Adam, danke Ted.

P.S.: Der Soundcheck für die Kickdrum lief übrigens während das gesamten Interviews … wahrscheinlich eine weitere Strafe für mein Zuspätkommen.

P.P.S.: Übrigens die Shout Out Louds sind eine großartige Liveband, deren Potential erst auf der Bühne zu erleben ist. Wer von Euch irgendwann die Möglichkeit haben sollte, sie live zu sehen; unbedingt nutzen!!! Wie erwähnt, die Jüngsten sind sie nicht mehr ;o)

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2 Antworten to “Schreien? – Ja, schreien, Haare raufen und doch nix in der Hand haben… Pt.2”

  1. VH said

    Ja super – is ja doch noch ganz gut gelaufen! =)

    • bettinablume said

      Hm, lieber VH, Du findest also, dass es trotzdem gut gelaufen ist? – Also ich weiss nicht. Hatte ich erwähnt, dass die Schweden sowas wie unantastbare Heros sind, die man nicht mit so einfachen lapidaren Fragen belästigen sollte? Die Fünf stellt man eigentlich in eine Vitrine und findet sie einfach nur schön … Aber ok, vielleicht hast Du ja recht und ich bewerte einiges an der Geschichte über ;o)

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